Gesualdo, Carlo - Fürst von Venosa (um 1560-1613)

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CARLO GESUALDO entstammte (als zweiter Sohn Don Fabrizios wie als Neffe des Erzbischofs von Neapel) einem der ältesten und vornehmsten Fürstenhäuser im Königreich Neapel und beider Sizilien. Der traditionelle Kunstsinn der Familie kam bereits in der von Don Fabrizio gegründeten musikalischen Akademie zum Ausdruck, deren hervorragendste Mitglieder, Giovanni Macque, Bartholomeo Roy und Pomponio Nenna, vermutlich auf den jungen Gesualdo stilbestimmenden Einfluss ausgeübt haben. Gesualdo entwickelte sich früh zum Virtuosen auf der Basslaute.
Dass und wie sehr die Musik das Leben dieses Aristokraten beherrschte, beweist die frühe Gründung seiner eigenen »accademia«, der bedeutende Madrigalisten wie Scipione Stella, Rocco Rodio, Leonardo Primavera u. a. angehörten. Gesualdos ganz der Kunst gewidmetes Leben wurde durch den Tod seines älteren Bruders Luigi 1585 jäh in andere Bahnen gelenkt. 1586 wurde er regierender Fürst und ging eine Standesheirat mit der ihm verwandten Maria d'Avalos ein. Die anfangs harmonisch verlaufende, mit zwei Kindern gesegnete Ehe wurde durch Temperamentsunterschiede der Gatten allmählich getrübt. Diese latente Spannung führte im Herbst 1590 schließlich zur Katastrophe. Am 26. Oktober wurde Maria d'Avalos zusammen mit ihrem Liebhaber, Don Fabrizio da Carafa, in flagranti überrascht und brutal ermordet. Über Gesualdos persönlichen Anteil an dem Doppelmord gehen die wichtigsten zeitgenössischen Quellen auseinander. Auch lässt sich der Grad der Mitverantwortung Gesualdos an der bald darauf erfolgten gewaltsamen Beseitigung seines Töchterchens (des zweiten Kindes der Maria d'Avalos) nicht mit Sicherheit bestimmen. Er soll an der Legitimität dieses zweiten Kindes gezweifelt haben, dessen Schicksal damit wohl besiegelt war. Nach vollbrachter Tat zog sich Gesualdo auf das befestigte Schloss Gesualdo zurück, um der Rache der Familien der beiden Ermordeten zu entgehen. Später scheint jedoch eine allgemeine Versöhnung stattgefunden zu haben.
Die volle Eigenart des Komponisten Gesualdo, seine »morbidezza«, aber auch seine selbstquälerische Leidenschaft und Bußfertigkeit, kommt erst in den Veröffentlichungen der letzten Lebensjahre (1611-1613) zum Ausdruck, in denen die nach 1594 entstandenen geistlichen Musiken und Madrigale gesammelt wurden. Gesualdo kehrte um 1596 wieder nach Neapel zurück, wo er den Rest seines Lebens verbrachte. Gesteigerte Selbstvorwürfe, pathologische Reue und krankhafte Melancholie verdüsterten sein Leben. Gesualdos zweite Ehe verlief gleichfalls nicht glücklich. Er verlor nicht nur ein Söhnchen aus zweiter Ehe, sondern auch den Sohn Don Emanuel aus der Ehe mit Maria d'Avalos. Donna Eleonora überlebte ihn um viele Jahre; ihr Brief vom 13. September 1613 ist das bisher überzeugendste Dokument für sein Sterbedatum. Sie selbst wird von zeitgenössischen Stimmen als mitverantwortlich für Gesualdos verhältnismäßig frühen Tod bezeichnet.

[vgl. MGG Bd. 05, S. 41 ff.; © Bärenreiter-Verlag 1986]

Werke / Kompositionen

In monte Oliveti (SSATTB)

»Responsoria« heißt die Sammlung sechsstimmiger Responsorien für die Karwoche, die 1611 entstand. Diese Responsorien bestehen aus drei Teilen, die dem Gründonnerstag, dem Karfreitag und dem Karsamstag zugeordnet sind. Jeder dieser Teile zerfällt in je neun Responsorien. »In monte Oliveti«, »Tristis est anima mea« und »Ecce vidimus eum« entstammen dem ersten Nokturn und schildern die Vorgänge auf dem Ölberg, die Todesangst Jesu und die mit seinem Leiden verknüpfte Hoffnung.

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Tristis est anima mea (SSATTB)

Vgl. Text zu »In monte Oliveti«.

Ecce vidimus eum (SSATTB)

Vgl. Text zu »In monte Oliveti«.