Byrd, William (1543-1623)

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Vielleicht stammt WILLIAM BYRD aus Lincolnshire, wo zu jener Zeit der Familienname Byrd nicht selten vorkommt. Vielleicht bleibt der wahre Herkunftsort des »Father of Musicke« aber auch ewig im Dunkel der Geschichte verborgen, mangelt es doch bis heute an eindeutigen Belegen für einen einwandfreien Nachweis seiner Herkunft. Gewiss ist jedoch, dass er als Kind bei Thomas Tallis gelernt hatte, bevor er 1562 Organist am Dom zu Lincoln wurde, wo er später auch heiratete. Am 22. Februar 1569 wurde er Gentleman in der »Chapel Royal«, blieb aber bis Ende 1572 in Lincoln und ging dann nach London, wo er sich mit seinem ehemaligen Lehrer das Organistenamt in der »Chapel Royal« teilte. Seine Verbindung mit Tallis scheint zudem sehr eng und dauerhaft gewesen zu sein, übernahm Tallis doch beispielsweise bei Byrds zweitem Sohn die Patenschaft. 1593 zog er in das Dorf Stondon Massey in Essex, nicht weit von London, wo er bis zu seinem Tode 1623 zurückgezogen lebte.

[vgl. MGG Bd. 02, S. 571 ff.; © Bärenreiter-Verlag 1986]

Werke / Kompositionen

Laudibus in sanctis (SSATB)

Das erste Stück der zweiten großen Sammlung mit dem Titel »Cantiones Sacrae«, die 1591 erscheint, ist ein sehr groß angelegtes Werk, dessen klangliche Vielfalt uns immer wieder fasziniert. Es ist ein fünfstimmiges Feuerwerk kompositorischer Stilmittel seiner Zeit und nicht ohne Grund heute eine der beliebtesten und bekanntesten Motetten Byrds. Gemessen an der Anzahl der Takte ist es zudem die längste bekannte Motette, die der Engländer geschrieben hat. Textliche Grundlage ist der 150. Psalm.

LAUDIBUS IN SANCTIS
Laudibus in sanctis Dominum celebrate supremum:

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Ne irascaris Domine

Die zweiteilig angelegte Motette »Ne irascaris Domine« für Sopran, Alt, zwei Tenöre und Bass findet sich in der Sammlung der Cantiones sacrae von 1589. Der zugrunde liegende Text aus Jesaja 64 muss William Byrd in den gefährlichen Zeiten der religiösen Auseinandersetzungen persönlich besonders stark berührt haben: »Unser heiliger, herrlicher Tempel, ... alles, was uns lieb war, liegt nun in Trümmern«. Wärme ausstrahlende Klangfarben kennzeichnen die tiefe Liebe zu Gott und seinen heiligen Stätten, die durch Menschenversagen zerstört wurden.

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Sing joyfully unto God

In klangstarker Sechsstimmigkeit, gedoppelter Sopran- und Altstimmen sowie Tenor und Bass, präsentiert sich »Sing joyfully unto God«. Textgrundlage des jubelnden Gesangs gibt der 81. Psalm. Das Anthem gehört in den dienstlichen Aufgabenbereich des Komponisten an der Chapel Royal für den Great Service des anglikanischen Gottesdienstes. Freudig erregt aufspringende weit gefasste Intervalle gehen einher mit lebhaften Punktierungen und schnellen jubilierenden Passagen.

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Vigilate

»So wachet nun, denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt«. Der Gedanke steter Wachsamkeit im Glauben wird letztlich von allen Religionen getragen. Das fünfstimmige Vigilate aus der ersten Sammlung der Cantiones sacrae von 1589 ist eine eindringliche Mahnung zu »Wachet und betet, denn ihr wisst nicht, wann es Zeit ist« und gehört in den Karfreitag- bzw. Osterkreis als Tridum Sacrum und zum Proprium des Gründonnerstag.

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Beata viscera

»Beata viscera« ist das 11. Stück der ersten Sammlung der Gradualia von 1605. Die Gradualgesänge gehören zum Proprium der Messliturgie und wandeln sich inhaltlich entsprechend der Stellung im Kirchenjahr. Die Verehrung der Heiligen Jungfrau war im England der Renaissance sehr beliebt und weit verbreitet. Dichtungen und Hymnen finden sich vor allem in den Books of Hours für die privaten Andachten.

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